Pfarrverband Raeren – Eynatten – Hauset

Pfarrverband

Raeren - Eynatten - Hauset

Gemeinsam unterwegs

Die Sankt Nikolaus-Pfarrkirche in Raeren

Auf einen Blick

Die Raerener Pfarrkirche ist eine sogenannte dreischiffige Hallenkirche mit eingerücktem Glockenturm und einem Dachreiter über dem Chor. Im Stile des Barocks mit romanischen Rundbogen erbaut, gilt sie als eines der schönsten Gotteshäuser unserer Gegend.

Geschichtliches

Bis zur Franzosenzeit (1794-1814) bestand das heutige Dorf Raeren, Teil der Großgemeinde gleichen Namens, aus zwei verschiedenen Gemeinden: Alt-Raeren, nord-östlich der Hauptstraße und Neudorf gegenüber im Südwesten derselben. Unsere Kirche lag, wenn auch auf Neudorfer Gebiet, so doch direkt an der Grenzlinie zwischen beiden Dörfern, deren Einwohner sie stets als gemeinsames Gotteshaus betrachteten.
Diese, durch Erlass der Exekutive der Deutschsprachigen Gemeinschaft vom 16.1.1986 unter Denkmalschutz gestellte Pfarrkirche, wurde 1728 fertiggestellt. Pastor Aegidius Momber (1698-1728), der kurz nach ihrer Vollendung starb, gilt als der »Erbauer« unserer Kirche. Der Aachener Stadtbaumeister Laurenz Mefferdatis entwarf die Pläne. Kurz zuvor hatte er die Eupener St.-Nikolaus-Pfarrkirche konzipiert; daher eine gewisse Verwandtschaft des Innern beider Gotteshäuser.

Doch dürfen wir uns das Gebäude nicht so vorstellen, wie es heute aussieht. Die erste Ausführung war um zwei Joche kürzer, und der Turm stand seitlich, teilweise auf dem Großen Friedhof (Westseite). 1847 wurde das 13,5 m breite Kirchenschiff um 12 Meter auf 33,5 m verlängert, ,und der neue Turm dem Chor gegenüber errichtet.

Äußerst merkwürdig kommt uns der alte, seitlich stehende Turm vor: Warum sollte, aller architektonischer Gepflogenheit entgegen, der Turm nicht am Kopfe der Kirche gebaut worden sein? Hatte man von vornherein eine Vergrößerung nach vorne einkalkuliert? Oder war der Turm gar ein Überbleibsel der genau um 100 Jahre älteren Vorgängerin von 1628, die vermutlich quer gerichtet war? Auffallend ist jedenfalls, dass besagter Turm bei einem Alter von 60 Jahren (1788) schon baufällig gewesen sein soll: Damals plante Pfarrer Vincken bereits eine Vergrößerung der Kirche und den Abbruch des Turmes. Im Grundriss eines Vergrößerungsprojekts von 1812 ist in der in diesem Turm befindlichen Taufkapelle ein alter Eingang an der Westseite (Neudorf) zu erkennen. Diese Tatsachen bekräftigen gewissermaßen die berechtigte Vermutung, dass 1728 kein neuer Turm erbaut wurde.

Nach dem im Jahre 1842 angefertigten Bauplan zur Vergrößerung, war der alte Turm nur 26 Wter (83 Fuß Rhid.) hoch, also 16 Meter niedriger als der jetzige (42 m). Er stand somit in keinerlei Größenverhältnis zur Höhe des Kirchenschiffes (17 m). Zugang zu diesem Turm, in dem sich wie erwähnt die Taufkapelle befand, hatte man nur durch die Kirche.

Im linken Seitenschiff der heutigen Kirche sind auf dem Schlussstein der Gewölberippen des letzten Jochs vor der Orgelbühne die drei göttlichen Tugenden durch ihre Symbole dargestellt: ein Kreuz für den Glauben, einen Anker für die Hoffnung und ein Herz, das aus einem Kelche hervorragt, für die Liebe. Es ist anzunehmen, dass man bei der Vergrößerung der Kirche so an die genaue Lage dieser ehemaligen Taufkapelle erinnern wollte. Oder war das Gewölbe bereits in seiner jetzigen Form in dieser Taufkapelle vorhanden?

Einer noch älteren Kirche oder Kapelle, die man mit dem Schloß Titfeld in Verbindung bringt, war im Jahre 1612 ein gewahames Ende durch Brandschatzung bereitet worden. Wo sie genau gestanden hat, geht nicht aus den urkundlichen Erwähnungen hervor. Ob es sich dabei nun schon um die nach Dr. Kohnemann (Festschrift 1954) in den Jahren 1415 und 1497 in Urkunden erwähnte »Kirche zu Titfeld« handelt, ist nach seiner Ansicht leider nicht erwiesen.

1847 sind rechts zwei Säulen, links jedoch anscheinend drei hinzugefügt worden, denn an der Stelle der drittletzten erhob sich früher das Gemäuer der inneren Turmecke. Schon mancher Kirchenbesucher hat sich über die außergewöhnliche Breite des von dieser Säule ausgehenden kleinen Gurtbogens und die weniger auffallende Breite des Arkadenbogens (zwischen zwei Säulen) gewundert und gar Überlegungen zur Enträtselung dieser sonderbaren Unregelmäßigkeit angestellt. Sie ist ganz einfach dadurch zu erklären, daß diese beiden Bögen Überreste des alten Turmgemäuers tragen, dessen Außenmaße über dem Gewölbe noch deutlich zu erkennen sind. Die fünf Säulen des Erweiterungsbaues unterscheiden sich von den älteren durch ihre viel höheren Teilstücke. Nach der mündlichen Überlieferung sollen sie aus den Steinbrüchen zwischen Bachstraße und Neudorferberg stammen.

Die Giebel-Turm-Flucht verlief also zwischen dem fünften und sechsten Fenster, d.h. genau unter der heutigen Orgelbrüstung. Auf dem Kleinen Friedhof (Osten) ist unten im Gemäuer an einem schweren Blausteinquader die Anbaugrenze noch leicht zu erkennen.

Am Fest des hl. Nikolaus 1720 brachte Pfarrer Momber auf einem Tragaltar das erste Meßopfer in der neuen Kirche dar. Nach neun Jahren Bauzeit war der Rohbau der Kirche vollendet; sie konnte schon 1728 nach vorläufiger Benediktion für den regelmäßigen Gottesdienst benutzt werden. Die eigentliche Einweihung durch den Generalvikar von Lüttich erfolgte erst 42 Jahre später, am 20. Juni (Johannes) 1770, hundert Jahre nach der Erhebung Raerens zur eigenständigen Pfarre (1670).

In der Konsekrationsurkunde lesen wir unter anderem: »… und wir gestatten. daß dieser Jahrestag am 2. Sonntag im Juli gefeiert wird.« Dieses Kirchweihfest wurde jedoch 1778 auf den Sonntag vor dem Fest des hl. Johannes verlegt. Heute wird die Kirmes am Sonntag nach dem 15. August gefeiert.

Den Raerenern war stets daran gelegen, aus ihrer Kirche ein Schmuckkästchen zu machen. Unterhaltsarbeiten wurden aus eigenen Mitteln finanziert. Sicher gab es auch wohlbemittelte Spender, u.a. den Freiherrn Wilhelm von Wicherding (Bergscheid), der trotz voraufgegangener Meinungsverschiedenheiten helfend einsprang, als, beim Bau die Mittel ausgingen.

Dank der Klassifizierung als erhaltenswürdiges Denkmal ist 1991 eine Außenrestaurierung für 12 Millionen F in Angriff genommen worden. Die vor der Kirche befindliche Stützmauer erwies sich während dieser Arbeiten als baufällig und mußte erneuert werden (2 Mill. F). Der Turm wurde zuerst in Angriff genommen, die Schieferbedachung komplett erneuert, desgleichen das Balkenmittelstück (König) der Kirchturmspitze, der Hahn neu vergoldet, das Metallkreuz ebenfalls überarbeitet. Gleichfalls wurde der Dachreiter des »Klippchens« nach seinem alten Vorbild ersetzt und das komplette Kirchendach neu gedeckt. Die Abdichtung des Mauerwerks und Trockenlegung folgten.

Vertrauter Glockenklang

… ruft die Raerener seit eh und je in ihr ehrwürdiges Gotteshaus, sei es zu frohen oder zu traurigen Anlässen.

Urkundlich erwiesen datiert die erste Glocke aus dem Jahre 1622, was nicht die Existenz einer noch älteren ausschließt.

Unter Pfarrer Momber wurden 1706 zwei große Glocken auf den Namen des Hl. Nikolaus, unseres Pfarrpatrons, und der Muttergottes geweiht. 1707 folgte noch eine kleinere zu Ehren des hl. Josef und der hl. Lucia. Dr. Hermann Wirtz erwähnt im Festbuch von 1929 eine weitere Glockenweihe am 29. Oktober 1724, also während der Bauzeit der Kirche; leider fehlen Einzelheiten hierzu. 1753 wurden wiederum neue Glocken angeschafft: die Nikolausglocke (776 kg) und die Marienglocke (550 kg). Beide durften im Ersten Weltkrieg im Turme verbleiben, wurden aber während des 2. Weltkrieges (12.8.42) zum Einschmelzen beschlagnahmt. Gott sei Dank kam es nicht dazu, denn sie wurden am 29.1.47 in Hamburg zurückgefunden und trafen am 18.3.47 hier ein; zu Ostern erklang zum ersten Male ihr Geläute.

1889 schaffte Pfarrer Hohlmann die schwerste Glocke, die Josefsglocke (1600 kg), an; sie wurde im Ersten Weltkriege für Kriegszwecke eingeschmolzen. Wegen ihrer Größe wurde sie kurzerhand im Turm gesprengt. Auch das »Klippchen« (100 kg), das aus dem Jahre 1849 stammte, mußte abgeliefert werden (12.1.1918). Unter Pastor Schagen, am 9. November 1919, fand die Weihe eines neuen Glöckchens (106 kg) statt. Noch heute erfüllt es seine Aufgabe vor den Werktagsmessen; seine lebhafte, eindringliche Stimme paßt gut zu dem Sinn seiner und seiner Vorgängerin Inschrift: »Heiliger Sebastianus und hl. Luzia, bittet für uns. Ich gebe euch das letzte Zeichen, verdoppelt eure Schritte !«

Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Jahre 1965 konsultierte Pfarrer Gielen Glockenfachleute. Deren Urteil lautete wie folgt: »Beide Glocken klingen falsch; die Marienglocke ist zudem so schwer beschädigt, daß sie gar nicht mehr geläutet werden darf. Auch der Glockenstuhl hat im Laufe der Zeit so schwer gelitten, daß er am besten durch einen Stahlglockenstuhl ersetzt wird. Ferner wäre die Elektrifizierung der Glocken zu empfehlen.« (Festschrift 1966). Das Projekt fand sofortigen Anklang: Bis zum 10. März 1966 waren 386.000 BF gespendet. Bereits zu Ostern konnten die vier Glocken geweiht werden.

Seitdem ruft uns ein neues klangvolles Geläute im Salve-Regina-Motiv (D, Fis, A, H) allsonntäglich zur Meßfeier. Es besteht aus der Petrus-Glocke (1600 kg), Geschenk der Pfarre zum goldenen Priesterjubiläum des Pastors Peter Mommer, der Nikolaus-Glocke (840 kg), dem Pfarrpatron geweiht, der Marien-Glocke (520 kg) und der Anna-Glocke (390 kg). Mögen uns die Glocken noch recht lange erhalten bleiben!


Und nun ein Blick ins Innere unserer Kirche: Altäre und Chor

Betreten wir durch das Hauptportal unsere Kirche, so imponiert uns gleich der Hauptaltar mit seinem geheimnisvolle Würde ausstrahlenden Altarbild, Maria-Verkündigung darstellend, ein Werk des Ludovicus Reinardsteine, des Hausmalers der Benediktineräbte von Stavelot (1788). In der Apsis prangen die Adelswappen der Familien d’Ogier und de Liverloo, frühere Besitzer des Gutes Moeris. Der Altar stammt aus dem Jahre 1697. In den Altarstein sind seit 1770 Reliquien der Märtyrer Victorian und Vitalis eingelassen. Der Tabernakel wurde 1954 in seine jetzige Form versetzt. Der Hochaltar wurde 1931, einer besseren Sicht wegen, um eine Stufe erhöht, und das Chor um etwa 70 cm nach vorne vergrößert. Das Chor besitzt ein sechsteiliges Rippengewölbe mit großem dekoriertem Schlußstein; an den Konsolen der Apsis befinden sich Puttenköpfe.


Wie die meisten Raerener Häuser wurde auch unsere Kirche ausschließlich aus Raerener Blaustein erbaut. Geschliffen nannte man diesen Kalkstein Maria-Theresien-Marmor. Der 1990 restaurierte Fußbodenbelag im Chor bürgt für die Berechtigung dieser vielleicht pompös klingenden Bezeichnung. Früher war die ganze Kirche so belegt. Da der Belag 1938 doch arg abgenutzt war, wurde er mit dem jetzigen überdeckt. Die herrlichen Säulen zeugen ebenfalls von der außergewöhnlichen Qualität dieses Gesteins.

Der Gesamteindruck der Raerener Pfarrkirche wird sicherlich durch die Ausgeglichenheit und die gediegene Schönheit ihre’r Altäre bestimmt. Dazu tragen die Nebenaltäre nicht unwesentlich bei: Der links stehende Marienaltar mit seinem Muttergottesbild stammt aus dem Jahre 1885; bis 1991 wurde an dieser Stelle der Maialtar errichtet. Der rechte, der Sebastianusaltar, wurde 1971, als die vor ihm aufgestellte Krippe in Brand geriet, stark beschädigt, konnte aber restauriert werden. Leider wurde das herrliche Gemälde der Steinigung des hl. Sebastianus, ein Werk aus der Schule der Nazarener, ein Raub der Flammen. Der Raerener Maler A. Blank fertigte als Ersatz eine ausgezeichnete Kopie eines gleichmotivigen Meisterwerkes des italienischen Renaissancemalers Giovanni Antonio Bazzi, genannt Sodoma (1477-1549), an. Bazzi war stark beeinflußt durch die Malerei Leonardo da Vincis und Raphaels.

Hoch über dem Opfertisch, der sehr geschmackvoll in das Bild des Chores eingebaut ist, hängt im Gewölbe ein schweres Kruzifix, ein Werk des Raerener Bildhauers Leonhard Mennicken. Das Ewige Licht trägt die Jahreszahl 1766.

Seitlich des Hauptaltars, über den Türen zur Sakristei, steht links die Statue des hl. Nikolaus,. unseres Pfarrpatrons, und rechts die des hl. Nepomuk, der Volksmeinung nach ein Märtyrer des Beichtgeheimnisses. 1393 wurde er in Prag gefoltert und von der Moldaubrücke in den Fluß gestürzt. Mancherorts findet man ihn daher als Brückenstandbild.

Anstrich bzw. Ausmalung

Die erste Übertünchung des rohen Putzes erfolgte unter Pfarrer Tilman Ganser, der genau ein halbes Jahrhundert hier wirkte. Weitere uns bekannte Ausmalungen fanden statt in 1851 und 1863 bereits in Öl. Sicher ist noch eine weitere Ausmalung in der langen Zwischenzeit bis 1931 durchgeführt worden, ist leider aber nicht belegt. Vor dem letzten Kriege (1940-45) »malte« der Aachener Kirchenmaler J. Kalif im wahrsten Sinne des Wortes die Kirche aus. An dieses Aussehen, das 26 Jahre überdauerte, können wir uns noch gut erinnern. Es war im allgemeinen sehr bunt gehalten. Neben den Stationsbildern befand sich beiderseits noch ein Heiligenbild mit entsprechendem Text darunter. Über dem linken oberen Beichtstuhl, wo das Fenster fehlt, stellte sich besonders den bei der Predigt umgekehrt sitzenden Kindern ein großes Wandgemälde zur Schau: die Bergpredigt. Andererseits wurden damals schon die Säulen, abgesehen von den Kapitellen, durch Behauen in ihren Naturzustand versetzt. Vorher, seit 1744, waren diese poliert.

1957 erfolgte unter Anleitung von Andrä Blank eine neue Ausmalung; diesmal waren auch die Kapitelle von ihrer bunten Bemalung befreit worden. Diese Ausmalung stand im Zeichen »neuer Erkenntnisse«: Alle Heiligenbilder und auch das Bergpredigt-Gemälde wurden überstrichen. Schade, daß auch das große Wandgemälde Opfer dieser Radikalkur wurde, besonders da an dessen Stelle nur ein großflächiges Nichts übrigblieb. Die Gestaltung dieses Anstrichs ließ andererseits die baulichen Strukturelemente, die Altäre und die neuvergoldeten Barockornamente des Gewölbes viel besser zur Geltung kommen. Ebenfalls wurde die Wirkung der Kirchenfenster dadurch begünstigt.

1971, nach dem Krippenbrand, war es wiederum der gleiche Künstler, der unserer Kirche seinen mittlerweile anerkannten Stempel aufdrückte. Eine geschmackvolle, weiche Farbtonkombination bestimmte diese seit nunmehr zwanzig Jahren uns vertraute und allgemein bewunderte Ausmalung. Der größte Teil dieses dezenten Farbkleides, insbesondere die Seitenwände, sollte nicht als solches wirken, sondern in erster Linie einen perfekt harmonierenden Rahmen für die diversen Teile der Inneneinrichtung und für die herrlichen Kirchenfenster bilden. Lediglich die Holzelemente des Chorraums, Sakristeitüren und Vertäfelung sowie die Ornamente des Gewölbes wurden etwas lebhafter hervorgehoben.


Bänke

Zu stillem Gebet laden den Besucher die bequemen Eichenholzbänke ein. Sie wurden 1932 nach einem Entwurf von Leonhard Mennicken durch Raerener Schreinermeister angefertigt. Gediegene Schnitzornamente verleihen den Seitenteilen ein mit dem Stil der Kirche harmonisierendes Aussehen.

Diese Arbeit war in vier Lose aufgeteilt. Die Schreinerarbeiten kosteten insgesamt 42.620 F und wurden durch J. Datenet, Jacob Dujardin, Gebr. Meessen und J. Willems ausgeführt. Das Schnitzwerk an den Köpfen besorgten Johann Emontspohl und Leonhard Mennicken.

Die ersten Bänke der neuen Pfarrkirche wurden unter Pastor Tilman Ganser, dem Nachfolger Pastor Mombers, angeschafft. Beim Umbau der Kirche im Jahre 1847 wurden sie geändert und neu aufgemacht. Einige davon stehen heute noch auf der Orgelbühne.

Beichtstühle

Die drei schönen Beichtstühle aus Eichenholz sind verschiedenen Alters und Ursprungs. Die beiden linken sind dem rechten Beichtstuhl nachgebaut. Dieser datiert aus dem Jahre 1747, der zweite, am Marienaltar, von 1766, und der neueste entstand 1960 (Bildhauer J. Laplanche und Schreinermeister W. Emontspohl). Er ist eine exakte Kopie des erstgenannten, wogegen der zweitälteste in verschiedenen Einzelheiten vom Vorbild abweicht. Auch wurde er mit schalldämpfenden Türen versehen.

Fenster

Dezentes, ausgewogenes Farbenspiel erstrahlt bei einfallendem Sonnenlicht aus den prachtvollen Kirchenfenstern, die Museumskonservator Rehker unter die schönsten Jugendstilfenster des ganzen ehemaligen Rheinlandes reiht.

Anlässlich des goldenen Priesterjubiläums des Vikars Gerhard, Ludwig Hennes, der über 50 Jahre in unserer Pfarre tätig war und dessen Porträt neben dem des Pastors Peter Mommer in das linke obere Fenster eingelassen ist, wurden im Jahre 1909 die fünf Fenster des rechten Seitenschiffs angeschafft. Sie stellen die fünf Geheimnisse des Freudenreichen Rosenkranzes dar. Die vier Fenster des linken Kirchenschiffs datieren aus dem Jahre 1913 und stammen aus der Stiftung Kaplan Hennes’ und einiger Wohltäter. Sie zeigen die Sakramente der Taufe, der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung. Das Fenster am Sebastianusaltar fiel 1971 der Feuersbrunst zum Opfer und wurde durch Meister Pirotte ersetzt.


An dieser Stelle sei noch erwähnt, daß im Zuge der Restaurierungsarbeiten (1991) mehrere Fenster neu verbleit wurden.

Figuren

Die Heiligenfiguren an den Säulen sind bei der Ausmalung im Jahre 1957 in dezenten Farben übermalt worden und harmonieren seitdem gut mit dem Kircheninnern. Das älteste und zugleich kostbarste Stück unserer Kirche ist eine Holzfigur, den hl. Antonius den Einsiedler darstellend, aus dem Jahre 1450. Sie ist ein Erbstück aus dem Kloster Brandenburg, das 1784 durch den österreichischen Monarchen Josef M aufgehoben wurde. Am 17. Januar jeden Jahres findet noch ein Festhochamt zu Ehren des hl. Antonius statt, in dem an die Gläubigen sogenannte »Antoniusbrötchen« verteilt werden.

Eine Pieta wurde damals ebenfalls der Pfarre anvertraut.

Neuangeschafft wurde 1991 eine kleine Muttergottesstatue aus dem Grödnertal in Südtirol, die alljährlich Mittelpunkt des Maialtars am rechten Chorraumeck werden soll.

Die Statue der hl. Odilia wird bei Gelegenheit der OdilienOktav am rechten Seitenaltar aufgestellt. Viele Gläubige aus der näheren Umgebung besuchen dann unser Gotteshaus, um den Augensegen zu empfangen, der mit den Reliquien der hl. Odilia erteilt wird. Diese stammen gleichfalls aus dem Kloster Brandenburg. Die letzten Patres übergaben ferner dem Raerener Pfarrer drei Kreuzpartikel und zwei Reliquien des hl. Antonius.

Gefäße und Kultgegenstände

In erster Linie erwähnenswert ist die silber-vergoldete gothische Turm-Monstranz aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Nach Johann Cloot (Eupen) ist sie das kostbarste Sakralgerät der Gegend. Sie ist 60 cm hoch und besitzt drei Türmchen mit Statuetten: Maria, Johannes und Christus. Leider weist sie keine Markierung auf. Die Herkunft wird aus einer rheinischen Goldschmiede-werkstatt vermutet.

Verzeichnen wir außerdem noch eine zweite ähnlich gestaltete Monstranz aus dem 19. Jahrhundert, neugothisch, silbervergoldet, ebenfalls Türmchen mit Heiligenfigürchen: hI. Josef, hI. Ludwig (König von Frankreich), hl. Nikolaus von Myra, hl. Petrus und Christus. Diese Monstranz stammt aus der Werkstatt des M. Brabant in Aachen.

Unter den Kelchen ist besonders der barocke silbergetriebene von etwa 1700 hervorzuheben, nach J. Cloot eines der aufwendigsten Geräte der ganzen Umgebung, gestiftet von Maria-Isabella von Schwartzenberg, Äbtissin eines Klosters bei Remersdael, Tochter der in Haus Raeren während mehrerer Generationen residierenden Adelsfamilie. Der Fuß des Kelches ist in sechs Felder aufgeteilt, davon drei gleiche Trauben-Ährengebilde und jeweils dazwischen drei biblische Szenen: die Anbetung der Hirten, Christus am Ölberg und die Kreuztragung. Es handelt sich um Darstellungen, die aus dem Material hervorgetrieben wurden. Dem Schaft mit seinen drei Brustbildmedaillons auf dem Nodus ist die vergoldete, in einem wunderschön dekorierten Korb lagernde Kuppa aufgesetzt. Im Relief stark hervortretend dargestellte Personifizierungen des Glaubens (Fides), der Hoffnung (Spes) und der Liebe (Caritas).

Ferner sei noch ein aus Silber getriebener und gegossener, vergoldeter Kelch von 1713 anzuführen, ebenfalls ein neugothischer vom Ende des 19. Jahrhunderts und einige neuzeitliche Gefäße.

Das älteste, aus Silber, teilweise vergoldete, 46,5 cm hohe Ziborium datiert aus dem Ende des 18. Jahrhunderts; ein weiteres ebenfalls aus dieser Zeit. Ein schönes Krankenziborium wurde 1829 gestiftet.

Zum Inventar der Raerener Pfarrkirche gehört ferner noch ein Reliquiar in Ostensoriumform, das eine kostbare Partikel des Pfarrpatrons, des hl. Nikolaus, enthält. Aus dem Kloster Brandenburg kommt das Reliquienostensorium der hl. Odilia. Die Reliquie des hl. Antonius befindet sich in einem mit achteckigem Schauteil und Kreuzbekrönung geschmückten Ostensorium. Das silberne Weihrauchfaß wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts hergestellt.

Kanzel

Sie ist an den linken zweiten Pfeiler gelehnt und mit einem prachtvollen, sechseckigen, baldachinartigen Schalldeckel bekrönt, der höchstwahrscheinlich aus der Zeit von Pfarrer Sünn (1848-86) stammt. In kleinen Nischen die Statuen der vier Evangelisten; an der Decke des Baldachins eine Taube, den Heiligen Geist symbolisierend. Die Kanzel unserer Kirche hat – Gott sei Dank – den neuzeitlichen, postkonziliaren Bildersturm überstanden.

Gedenken wir an dieser Stelle der Priester, die von dort aus das Wort an die Raerener gerichtet haben!

Hier die Namen der Pfarrer:
Bevor Raeren zur Pfarre erhoben wurde:
Christian Voihs, um 1605
Barth. Buchfink, um 1620
Heinrich Hochstein, um 1648
Johannes Schweller, um 1665

Nach der Pfarrerhebung:
Johannes Meyer, 1670
Johannes Grass, starb 1692
Peter, Jakob Großmeyer, 1693-1698
Aegidius Momber, 1698-1728
Tilman Ganser, 1728-1778
Johann, Anton Vinken, 1778-1795
Johannes, Georg Reuter, 1795-1805
Peter, Sebastian, Harthard Hartmann, 1805-1815
Johann, Anton Vincken, 1815-1828
Michael Thoma, 1828-1847
Franz, Josef Sünn, 1848-1886
Johann Hohlmann, 1886-1900
Karl, Johann Greven, 1900-1908
Joseph Kahlen; 1908-1917
Paul, Peter Schagen, 1917-1923
Toussaint Huynen, 1923-1928
Peter Mommer, 1928-1940 und 1945-1965
Joseph Engels, 1940-1945
Viktor Gielen, 1965-1976
Robert Kohnenmergen, 1976-2004
Peter Dries, seit 2004

Ehre dem Andenken aller Pfarrer und Kapläne, die in Raeren gewirkt haben!

Kreuzweg

Beim Krippenbrand im Jahre 1971 wurde die 14. Station des alten Kreuzwegs aus dem Jahre 1851 arg in Mitleidenschaft gezogen. Daher beschloß der Kirchenvorstand, aus Anlaß des 250. Jubelfestes im Jahre 1978, einen neuen Kreuzweg anzuschaffen. Dieser ist das Werk des hiesigen Kunstmalers Andrä Blank (+ 1987) selig.

Unser Kreuzweg will nicht irgendein farbenprächtiges Dekorationsstück sein, sondern der nüchterne Film einer bitteren Tragödie. Er ist das Resultat eines Kompromisses zwischen moderner und klassischer Malerei. Im Gegensatz zum alten Kreuzweg fehlt jede Massenszenerie, das Wesentliche steht im Vordergrund, alles andere verschwindet in der dezenten Kulisse. Die Ausdruckskraft, die aus den verzerrten Gesichtszügen und aus der Haltung des gepeinigten Körpers des leidenden Herrn spricht, fesselt den Betrachter und regt ihn zu Meditation und Gebet an. Dieser Mann sprengt jeden Rahmen. Die farbliche und flächenmäßige Raumaufteilung der neun ersten Stationen weist auf die Turbulenz des Geschehens in den Straßen Jerusalems hin. Zaghaft angedeutete gotische Elemente im Dekor gewisser Szenen versinnbildlichen die zeitliche und örtliche Allgegenwärtigkeit des Leidens. Die mit der Entblößung des Herrn eintretende Leere und die zunehmende »Vergrauung« der Farben charakterisieren die vier nächsten Bilder. Hell- und dunkelgraue Akzente vermitteln eine Stimmung der Resignation bei der Grablegung, doch läßt ein zentraler Lichtblick eine verheißungsvolle Zukunft erahnen.

Das leichte Violett in den Rahmen weist als Farbe der Buße auf die Tragik des Opferganges Christi hin. Diese Rahmen, die seit 1851 das Aussehen unseres Gotteshauses mitprägen, waren das beste Bindeglied zwischen dem Stil der Kirche und einer Malerei, der doch gewisse Merkmale expressionistischer Tendenz eigen sind. Eine glückliche Lösung zur bestmöglichen Integrierung neuerer Kunst in eine klassische Umgebung!

Kriegeraltar

Der älteste Altar in der Mitte des rechten Seitenschiffes zum Gedenken der Gefallenen des Ersten Weltkrieges wurde durch den Raerener Bildhauer Leonhard Mennicken im Jahre 1921 geschaffen. Die Gedächtnistafeln für die Opfer des Zweiten Weitenbrandes schuf der Bildhauer Hubert Pitz; dort und an dem gegenüberstehenden Maria-Hilf-Altar hat so mancher Raerener in schweren Tagen Trost und Hilfe gefunden.

Orgel

Der Orgelbaumeister Joh. Gilmann aus Kornelimünster erhielt von Pfarrer Tilman Ganser den Auftrag, eine Orgel zu erbauen; diese wurde 1744 am Fronleichnamstage eingeweiht. Für die Kosten des Instruments mußten 265 Reichstaler und 70 Pfund Butter aufgebracht werden. Die nötige Orgelbühne baute Matthias Schauff aus Neudorf. Diese Orgel umfaßte vermutlich 18′ Register. Das ließ sich im Innern der alten Orgel (die 1991 abgebrochen wurde) ersehen, wo die Vorrichtung für die Registerzüge hinter der Front angebracht war.

Bereits 1827 ließ Pfarrer Vincken die Orgel mit seinen persönlichen Ersparnissen ausbessern.

1850 beauftragte Pfarrer Franz Joseph Sünn den in Merschheim ansässigen Orgelbauer P. Hahn mit dem Umbau der Orgel. Die Kosten beliefen sich auf 414 Taler.

Unter Pfarrer Greven baute die Firma Klais aus Bonn 1905 eine Orgel mit pneumatischer Spiel- und Registertraktur. In diesem Werk, als Opus 325 gekennzeichnet, verwandte man einige Register aus der alten Orgel, unter Beibehaltung der Prospektansicht von 1744. Die Kosten betrugen 6.000 Mark. Die Orgelbühne hatte man schon 1879 gesenkt und bis über die beiden Seitenschiffe verbreitert. Diese Orgel von 1905 war mit 22 Registern im spätromantischen Charakter erstellt.

1934 nahm die Firma Joris aus Renaix weitere Umbauarbeiten vor, u.a. die Anlegung eines Schwellkastens im hinteren Halbgehäuse. 14.000 F wurden für diese Neuerungen ausgegeben.

1963 nahm die Eupener Orgelbaufirma Schumacher umfangreiche Arbeiten vor. Der romantische Charakter der Orgel wurde aufgefrischt, der Schwellkasten wurde entfernt und die Verbindungsmechanik zwischen Spieltisch und den Jalousien wurde abgeschnitten.

Der Prospekt dieser Orgel umfaßte 39 Zinkpfeifen, in Aluminiumfarbe gestrichen. Die drei Rundtürme wurden durch Flachfelder getrennt. Die Anordnung der Pfeifen war folgende: 5-117-11-5. Der Mittelturm scheint einmal erhöht worden zu sein, wahrscheinlich als die Orgelbühne 1879 gesenkt wurde.

Die Vorderfront des Gehäuses bestand aus Eichenholz, die hinteren und seitlichen Teile aus Fichtenholz. An der linken Seite des Gehäuses befanden sich Motorkasten und Pumpmechanik zur Betätigung des Blasebalges.

Der freistehende Spieltisch umfaßte: zwei Manuale (C-f”‘) und Pedal (C-d’), eine pneumatische Registertraktur mittels Schaltknöpfen und folgenden feststehenden Kombinationen: pp-p-mf-f-Tutti.

Bei dieser Orgel war es fast unmöglich, eine schnelle Figur einigermaßen »legato« vorzutragen. Bevor man einen Ton losließ, mußte man den Leergang der nächsten Taste bereits überwunden haben. Die anscheinend so praktische Erfindung der pneumatischen Traktur hatte sich als Irrweg erwiesen. An eine Erhaltung dieser »Pneumatik« war somit nicht zu denken, nicht zuletzt auch wegen der häufigen Tonausfälle, bedingt durch defekte Membranen.

Die dauernd anfallenden Reparaturen veranlaßten den Kirchenvorstand, die Anschaffung einer neuen Orgel ins Auge zu fassen. Dieses Vorhaben wurde nicht zuletzt dank des Einsatzes des zu diesem Zwecke gegründeten Orgelkomitees äußerst wohlwollend von der Raerener Pfarrfamilie aufgenommen. 230 Patenschaften zu je 20.000 F bürgten innerhalb kurzer Zeit für den Großteil der Finanzierung. Die Gemeinde und so mancher bei den Sonderkollekten ungenannt gebliebene Spender trugen ebenfalls ihr Scherflein bei, so daß eine neue Orgel 1991 bei Orgelbauer Weimbs in Hellenthal in Auftrag gegeben werden konnte (9.000.000 F).

Porträt der neuen Orgel:

Der Prospekt besteht nach wie vor aus drei Rundtürmen. Die Pfeifen sind heute aus einer 80% Zinnlegierung. Sie werden durch stilgerechte, vergoldete Schleifbretter begrenzt, während Profilkränze das Haupt der Türme abrunden. Das Untergehäuse ist nach links-rheinischer Tradition und klassischen Vorbildern eingeschnürt. Aus klangtechnischen Gründen ist das Möbel eine selbsttragende Konstruktion, aus Eiche-Natur hergestellt und fügt sich somit harmonisch in das Gesamtbild unserer Kirche ein. Die Spielanlage ist zentral im Untergehäuse untergebracht. Sie umfaßt zwei Manuale von C-g”‘ und ein Pedal mit einem Tonumfang von C-f’. Die gesamte Traktur ist rein mechanisch. Die insgesamt 1536 Pfeifen stehen auf Schleifladen und bestehen meist aus einer hochwertigen Zinnlegierung. Die Windversorgung geschieht durch einen elektrischen Winderzeuger über drei Schwimmerbälge, Windladen und Kondukten.

Die gesamte Orgel verfügt über drei Werke mit folgender Registerverteilung:

Hauptwerk: Schwellwerk:
1 Prinzipal 8′ 10 Offenflöte 8′
2 Rohrflöte 8′ 11 Bourdon 8′
3 Oktave 4′ 12 Salicional 8′
4 F!aut 4′ 13 Voix Celeste 8′
5 Superoktave 2′ 14 Traversflöte 4′
6 Seciez 1′ 15 Nasard 2 2/3′
7 Cornett 2 2/3′ 3fach 16 Flöte 2′
8 Mixtur 1 1/3′ 4fach 17 Terz 1 3/5′
9 Trompete 8′ 18 Mixtur 2′ 4fach
19 Hauthofs 8′

Pedaiwerk:
20 Subbaß 16′
21 Flaut major 8′
22 Trompete 8′
23 Posaune 16′

Möge diese neue Orgel über Jahrzehnte hinaus zur vollsten Zufriedenheit unsere Gottesdienste verschönern!


Sakristei
Die Sakristei stammt aus dem Jahre 1753. Sie wurde 1947 unter Pastor Mommer um zwei Räume nach Osten hin vergrößert. 1980 wurde sie neu ausgestattet.
In der Sakristei ist der stark beschädigte Gedenkstein des Wilhelm von Wicherding , in die Wand eingelassen. Dieser großherzige Edelmann von Bergscheid hatte sich besonders um den Bau der Kirche verdient gemacht. Die lateinische Inschrift ist zum großen Teil unlesbar oder zerstört, das Wappen unkenntlich.

Professor Reiners hat uns den Text überliefert:
»Das ewige Licht leuchte ihm, o Herr ! Am 8. Oktober 1727 um die Mittagszeit starb der ehelose, achtzigjährige wohledle Herr Wilhelm von Wicherding, feierlich versehen mit allen Sakramenten der heiligen Kirche. Er war ein einzigartiges Beispiel der Bescheidenheit, der Milde und Frömmigkeit, im Leben und nach dem Tode einer der größten Wohltäter und Schutzherren der Armen und unserer Kirche in Titfeld, Stifter des Vikariats und des Ewigen Lichts.«


Taufstein
Der Taufstein stand vor der Vergrößerung von 184 7 in der sich im alten Turm befindenden Taufkapelle, im letzten Joch des linken Seitenschiffs vor der Orgelbühne. Er war dort mit einem Eisengitter umgeben. Der jetzige stammt aus dem Jahre 1848, als die Kirche vergrößert war, und wurde links neben dem Marienaltar »versteckt«. Vor einigen Jahren ist er dort hervorgeholt, restauriert und gut sichtbar rechts neben dem Seitenaltar an der Chorraumecke aufgestellt worden.
Möge jedes Raerener Kind, das dort getauft wird, sich in seinem späteren Leben doch seiner Ahnen würdig erweisen und für die Erhaltung unseres schönen Gotteshauses eintreten !

Sakristei

Die Sakristei stammt aus dem Jahre 1753. Sie wurde 1947 unter Pastor Mommer um zwei Räume nach Osten hin vergrößert. 1980 wurde sie neu ausgestattet.

In der Sakristei ist der stark beschädigte Gedenkstein des Wilhelm von Wicherding , in die Wand eingelassen. Dieser großherzige Edelmann von Bergscheid hatte sich besonders um den Bau der Kirche verdient gemacht. Die lateinische Inschrift ist zum großen Teil unlesbar oder zerstört, das Wappen unkenntlich.

Professor Reiners hat uns den Text überliefert:
»Das ewige Licht leuchte ihm, o Herr ! Am 8. Oktober 1727 um die Mittagszeit starb der ehelose, achtzigjährige wohledle Herr Wilhelm von Wicherding, feierlich versehen mit allen Sakramenten der heiligen Kirche. Er war ein einzigartiges Beispiel der Bescheidenheit, der Milde und Frömmigkeit, im Leben und nach dem Tode einer der größten Wohltäter und Schutzherren der Armen und unserer Kirche in Titfeld, Stifter des Vikariats und des Ewigen Lichts.«

Taufstein

Der Taufstein stand vor der Vergrößerung von 184 7 in der sich im alten Turm befindenden Taufkapelle, im letzten Joch des linken Seitenschiffs vor der Orgelbühne. Er war dort mit einem Eisengitter umgeben. Der jetzige stammt aus dem Jahre 1848, als die Kirche vergrößert war, und wurde links neben dem Marienaltar »versteckt«. Vor einigen Jahren ist er dort hervorgeholt, restauriert und gut sichtbar rechts neben dem Seitenaltar an der Chorraumecke aufgestellt worden.

Möge jedes Raerener Kind, das dort getauft wird, sich in seinem späteren Leben doch seiner Ahnen würdig erweisen und für die Erhaltung unseres schönen Gotteshauses eintreten!

Und zum Schluss noch ein Blick rundherum!

Die beiden Friedhöfe, der Große an der Westseite und der Kleine gen Osten, verdanken nicht zuletzt ihr schmuckes Aussehen der Tatsache, daß sie in unmittelbarer Nachbarschaft der Pfarrkirche gelegen sind: Der Weg zur. Sonntagsmesse führt nämlich vorwiegend über den »Kirchhof«. Unsere Gemeinde hat stets ihr Möglichstes getan, den Ort der letzten Ruhe ihrer Bürger würdig zu gestalten. Die Angehörigen der Verstorbenen wissen dies zu schätzen: Sie schmücken und pflegen wetteifernd die Gräber und Grabstätten. Und das zu jeder Jahreszeit !

Mittelpunkt des Großen Friedhofes ist das Große Friedhofskreuz, die Gedenk- und Begräbnis-stätte vieler ehemaliger Priester. Seitlich davon die Gruft der Familie von Schwartzenberg; gleich am Eingang das Grabmal des Raerener Bildhauers Leonhard Mennicken und daneben die Ruhestätte Andrö Blanks.

Das Schicksal des Kleinen oder Alten Friedhofs ist durch Gemeinderatsbeschluß besiegelt; die letzten Konzessionen erlöschen, nach Angaben der Gemeindeverwaltung, im Jahre 2013. Gleich am Eingang erkennen wir die Gruft der Familie de la Saulx-Heinsberg mit den Wappen dieser Gutsherren zu Knoppenburg. Ebenfalls die Grabstätte der Familie de Nys, ehemalige Besitzer der Burg Raeren sowie die des früheren Bürgermeisters Dr. Pesch.

Vor dem Hauptportal der Kirche, sozusagen als Krönung der Abstützmauer, steht das Missionskreuz aus dem Jahre 1850, mit einer Madonna in einer Nische und einer Tafel mit den eingemeißelten Jahreszahlen der Volksmissionen.

Verschiedene alte Blaustein-Grabkreuze sind am Fußpfad nach Neudorf wohlrestauriert aufge-stellt worden.

An erster Stelle aber ein Wege-Kreuz von 1581, das WillemKule-Kreuz. Es hat kurioserweise mehrmals seinen Standort gewechselt: Vor dem letzten Weltkrieg stand es in der Hecke auf der oberen Neustraße, gegenüber der Leichengasse, vermutlich am Sterbeort dieses Wilhelm Kule. Während des Krieges wurde es wegen seines unten eingemeißelten Sonnenkreuzes, welches einem abgerundeten Hakenkreuz ähnelt, kurzerhand nach Driesch mitten vor den Denkmalplatz verpflanzt. Nach dem Kriege hat man dieses alte Symbol abgeschlagen und das Kreuz nicht weit von seinem alten Standort, an der Ecke Neustraße-Neudorfer Straße, aufgestellt. Möge es jetzt in der Nähe der Kirche endlich seine »letzte Ruhe« finden!

Quellenverzeichnis:

Festschrift 1929 des Cäcilia-Gesangvereins Raeren; Geschichte der Pfarre Raeren, von Dr. Hermann Wirtz.
Festschrift 1954 des Cäcilia-Gesangvereins Raeren; Dr. Michel Kohnemann.
– Raeren und die Raerener im Wandel der Zeiten; Viktor Gielen, 1967, Markus-Verlag, Eupen.
Rund um den Kirchturm; 250 Jahre Raerener Pfarrkirche, 1728-1978; Peter Emonts-pohl, Paul Mennicken.
Sakrale Kunst im Eupener Land; Raeren, Pfarrkirche St. Nikolaus, Johann Cloot, Eupen; Geschichtliches Eupen, Band 16, 1982.

Unveröffentlicht:
Die alte und die neue Orgel, Geschichte und Beschreibung, Josef Cremer. Verzeichnis des Inventars der Kath. Kirchenfabrik Raeren, Otto Nussbaum.
Fotos:
Umschlagfoto, Hauptaltar, Kirchenfenster, Kreuzwegstation: K.H. Nussbaum Nikolaus, Beichtstuhl, Kelch, Predigtstuhl, Kriegeraltar: Kunstpatrimonium, Brüssel
Luftaufnahme: B. Hellemanns


Herausgeber:
Katholisches Pfarramt, Raeren (2. erweiterte Auflage).
Die Schrift wurde zusammengestellt von Paul Mennicken.